Wer trägt die Verantwortung, wenn ich meine Praxissoftware selbst baue?

Von Dr. med. Max Haas · · 4 Minuten Lesezeit

Am Zurich AI Festival 2026 drehte sich eine ganze Diskussionsrunde um eine einzige Frage: Liegt die Verantwortung für KI beim Spital, beim Anbieter oder bei der einzelnen Person? Wer seine Praxissoftware selbst baut, kennt die Antwort. Sie liegt bei einem selbst.

Das klingt schwer. Im Alltag ist es vor allem eine Frage der Sorgfalt. Dieser Artikel beschreibt, wie Max Haas damit umgeht. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Jede Praxis klärt die rechtlichen Fragen für sich.

Die KI baut, die Ärztin oder der Arzt entscheidet

Die KI schreibt den Code. Was die Software tut und wie sie in der Praxis eingesetzt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Daran ändert sich nichts, ob die Software gekauft oder selbst gebaut ist. Wer ein Werkzeug in der Behandlung einsetzt, prüft es.

Den Zweck jedes Bausteins festlegen

Bevor ein Baustein entsteht, steht in einem Satz fest, wozu er dient. «Patientinnen und Patienten buchen ihre Termine online» ist ein klarer Zweck. Je klarer der Zweck, desto leichter lässt sich prüfen, ob der Baustein ihn erfüllt.

Beschreiben statt beurteilen

Die Bausteine von MedBuild beschreiben und ordnen, sie beurteilen nicht. Ein Fragebogen zeigt die Werte und beschreibt, was der Bogen misst. Ein KI-Entwurf fasst zusammen, was gesagt wurde. Die ärztliche Beurteilung bleibt bei der Ärztin oder beim Arzt.

Für Funktionen, die Befunde einordnen oder Behandlungen vorschlagen, gelten zusätzliche Regeln. MedBuild verzichtet in seinen Bausteinen bewusst darauf.

Prüfen, bevor etwas Patientinnen und Patienten erreicht

  • Mit Testdaten ausprobieren, nie mit echten Personen.
  • Zuerst an sich selbst, etwa jede neue Rundmail mit «Probe» im Betreff.
  • Eine Zweitmeinung zum Code einholen, zum Beispiel von einer zweiten KI, und jeden Befund nachprüfen.
  • In kleinen Schritten ändern, damit ein Fehler schnell auffällt.

Entscheide festhalten

Eine einfache Liste mit Datum reicht: Was wurde entschieden und warum? Etwa «Die KI liest keine Patientenakten» oder «Fragebögen zeigen Werte ohne Einordnung». So lässt sich später nachvollziehen, warum die Software so gebaut ist, wie sie ist.

Datenschutz und Berufsgeheimnis

  • Wo liegen die Daten, und wer hat Zugriff?
  • Braucht es einen Vertrag zur Auftragsbearbeitung mit einem Anbieter?
  • Sieht eine KI Texte mit Personenbezug? Wenn ja, werden Namen, Daten und Adressen vorher ersetzt.
  • Was steht in der Datenschutzerklärung der Praxis?

Für den Ausfall vorsorgen

Auch selbst gebaute Software kann ausfallen. Sicherungen werden regelmässig geprüft, und für die wichtigsten Abläufe gibt es einen einfachen Weg ohne Software, etwa eine Terminliste auf Papier.

Bei der eigenen Versicherung nachfragen

Ob und wie die Berufshaftpflicht selbst gebaute Software abdeckt, lässt sich mit einer kurzen Anfrage klären.

Fazit

Selbst bauen heisst selbst verantworten. Das ist kein Grund, es zu lassen, sondern ein Grund, es sorgfältig zu tun: klarer Zweck, beschreiben statt beurteilen, prüfen, festhalten und vorsorgen.